Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen – unser EngagementWarum uns dieses Thema angeht

Integration ist für die Integrationsstiftung Schwabach kein Thema, das sich auf Migration beschränkt. Wer seelisch nicht gesund ist, kann nicht wirklich teilhaben – weder in der Schule, noch in der Freizeit, noch in der Familie. Aus dieser Überzeugung heraus hat sich die Stiftung vorgenommen, das Thema psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Schwabach aktiv anzugehen. Dabei geht es ausdrücklich um alle Kinder und Jugendlichen, gleich mit welchem Hintergrund oder welcher Herkunft.

Der Handlungsbedarf ist erheblich. Aktuelle Studien zeigen bei über 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychische Auffälligkeiten mit einer geminderten Lebensqualität. 50 Prozent aller psychischen Erkrankungen manifestieren sich bis zum 14. Lebensjahr, 74 Prozent bis zum 18. Lebensjahr. Prävention ist damit keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Unser Ansatz setzt deshalb auf zwei Ebenen an: bei den Erwachsenen, die Verantwortung tragen, und bei den Jugendlichen selbst.

Fachabend für Eltern, Lehrkräfte und Fachleute im Bürgerhaus

Gemeinsam mit dem städtischen Schulreferat luden wir zu dem Fachvortrag. Referentin war Dr. Kathrin Herrmann, Chefärztin an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Bezirksklinikum Ansbach. Sie stellte aktuelle Studienergebnisse vor – darunter den deutlichen Anstieg von Angststörungen, Depressionen und Essstörungen bei Mädchen – und erläuterte ebenso, was Kinder stark macht: ein stabiles Familiensystem, soziale Unterstützung, das Erleben von Selbstwirksamkeit, der Umgang mit Emotionen, tägliche Bewegung und, als oft unterschätzter Schutzfaktor, der Kontakt zur Natur. Zum politisch diskutierten Social-Media-Verbot für Kinder positionierte sich Dr. Herrmann aus medizinischer Sicht klar zustimmend, verbunden mit einer wichtigen Einschränkung: Kein Verbot ohne Ersatz – wer Kindern die sozialen Medien nimmt, muss ihnen echte Begegnung, Bewegung und Selbstwirksamkeit zurückgeben.

Vortrag für die 8. und 9. Klassen des Adam-Kraft-Gymnasiums

Was auf dem Fachabend als Anspruch formuliert wurde, haben wir unmittelbar in die Schule getragen. Unter dem Titel „Alles gut? Wirklich?“ sprach Sabine Gruber, Gründerin von GRUBERBERATUNG, systemische Therapeutin, Mediatorin und Supervisorin, vor über 200 Schülerinnen und Schülern der 8. und 9. Klassen des Adam-Kraft-Gymnasiums Schwabach.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich psychische Belastungen im Jugendalltag frühzeitig erkennen lassen – bei anderen wie bei sich selbst. Veränderungen zeigen sich oft weniger in dramatischen Momenten als im Verhalten: Wer stiller, gereizter oder müder wirkt, trägt innerlich möglicherweise Überforderung, Druck oder Einsamkeit mit sich. Manches, was im Schulalltag als normal gilt – Schlafmangel vor Leistung, Rückzug als „kein Bock“, Selbstabwertung als vermeintlicher Ehrgeiz –, verdeckt eher, als dass es Entwarnung gibt. Nach den vorgestellten Zahlen berichten 22 Prozent der Jugendlichen von einer eingeschränkten Lebensqualität, 18 Prozent fühlen sich häufig einsam.

Ein zentraler Gedanke war die Unterscheidung zwischen Beobachtung und Bewertung: Was sehe oder höre ich wirklich – und welche Geschichte macht mein Kopf daraus? Sabine Gruber ermutigte die Jugendlichen, Wahrgenommenes konkret anzusprechen, ohne es zu bagatellisieren, aber auch ohne sich für andere verantwortlich zu fühlen. „Du musst niemanden retten“ – Hinsehen, Nachfragen und im Zweifel Erwachsene einbeziehen genügt. Praktisch wurde es beim Umgang mit dem eigenen Stress: Atmung regulieren, Körpersignale wahrnehmen, Gedanken ordnen und Reize bewusst unterbrechen.

Unsere Online-Plattform: starkekids-schwabach.de

Gerade beim Thema psychische Gesundheit sind verlässliche Informationen entscheidend. Studien zeigen, dass Videos zu psychischen Erkrankungen auf Plattformen wie TikTok zu rund 80 Prozent falsch oder übergeneralisiert sind oder lediglich Einzelfälle abbilden. Dem setzen wir mit starkekids-schwabach.de ein fundiertes Angebot entgegen – mit Informationen und konkreten Hilfsangeboten für Kinder, Jugendliche und Eltern.

Wie es weitergeht

Wir werden dieses Engagement fortsetzen: mit weiteren Vorträgen an Schwabacher Schulen, mit Angeboten für Eltern und Fachkräfte und mit dem Ausbau von starkekids-schwabach.de. Unser Ziel bleibt einfach: Kinder und Jugendliche in Schwabach sollen wissen, dass Hilfe zu holen keine Schwäche ist, sondern Stärke – und dass niemand Belastung allein tragen muss.